Tischbilder

(…) Bei Schmimos Tischbildern hat man fast den Eindruck, jedes Bild sei mit einem einzigen breiten Pinselschwung entstanden. Trotz der Vielfalt der Details wirken die Bilder wie aus einem Guss. Figuren und Gestalten schälen sich aus Farbflächen und Pinselbahnen im Wechselspiel von Figur und Grund heraus oder lösen sich im Fluss der Farbe auf. (…)Dem zusammenhängenden Farb- und Formfluss entspricht ein Energiestrom, ein dynamischer Charakter, der das ganze Bild durchzieht. Er gibt ihm einen Grundton aus menschlichen Grundakkorden, die von Melodien aus Mündern durchzogen sind:  lachenden und lächelnden, grinsenden, schmunzelnden, verkniffenen, schmallippigen oder üppigen.

(…) Vor dem Auge des Betrachters entfaltet sich eine Typologie des gesellschaftlichen Gebarens, ein Panorama der Eitelkeiten, der Ressentiments und der Lebenslust. Wie eine Schmetterlingssammlerin fängt Schmimo im Netz ihrer Bilder die prachtvollsten Exemplare. Die Malerin präpariert Typenhaftes und Treffendes mit chirurgischer Präzision aus dem Fluss entstehender und zerfließender Gestalten und Gesichter heraus. (…)

(…) Die Gesichter changieren zwischen illustrativer oder karikaturhafter Typisierung einerseits und dem Eindruck unmittelbarer Präsenz, unvermittelter Begegnung mit menschlicher Individualität andererseits. Es sind zum einen gesellschaftliche Rollen, typisch weiblich – typisch männlich, und es sind zum anderen konkrete Menschen, die wir kennen, denen wir täglich begegnen oder begegnen könnten. Es sind Blicke fast jedweder Art – misstrauische, kecke, herausfordernde, belustigte, distanzierte, offene, auch unverschämte, gelassene. Mal etwas vernebelt, mal wie kurz aufblitzend, dann wieder verschmitzt oder machtbewusst, angstvoll oder satt, aus der Deckung heraus oder direkt von vorn werden Sie angeblickt.

Die Tischkante wirkt wie die in Renaissance-Bildern häufig zu findende Brüstung oder Barriere, auf die die Hände der Porträtierten gestützt sind. Die Barriere trennt den Raum der Betrachterinnen und Betrachter außen vor dem Bild vom Raum der Dargestellten und Angeblickten im Bild. Diese immer wiederkehrende Grundgestalt des Bildaufbaus dient als Netz, in dem sich immer neue Details, Figurationen und menschliche Konstellationen verfangen oder erscheinen. Das Spiel auftauchender und sich wieder auflösender Gestalten bewegt sich zwischen grafisch-gegenständlicher Präzision und malerisch-freier Abstraktion.

Die sich in den Bildern Schmimos zeigende Beobachtungslust und Beobachtungsgabe ist zugleich gnadenlos und augenzwinkernd humorvoll. (…)

Stefan Hölscher
Auszüge aus Eröffnungsreden

 

Ein Tisch

Mal wird er zur Theke,
zum Beichtstuhl oder
festlich geschminkt zum
Ballsaal Accessoire.
Mal trennt er, verbindet
oder konfrontiert.
Er erzählt und hört zu,
lauscht oder flüstert,
fängt Gelächter ein
oder weint mit uns.
Er setzt Grenzen zwischen
darauf und daneben,
dahinter und drumrum,
er begleitet das Spiel.

Schmimo